Wieso spezialisiert sich ein Anwalt auf Sexualstrafrecht?

Der auf Sexualstrafrecht spezialisierte Fachanwalt Barduhn ist seit 15 Jahren zugelassener Rechtsanwalt, er verteidigt Verbreitung, Ewerb und Besitz kinderpornographischer Schriften, § 184b StGB, in Saarbrücken, Frankfurt, Heidelberg, Hagen, Bayreuth.
Strafverteidiger Martin Barduhn, seit 2004 zugelassener Rechtsanwalt, Fachanwalt für Strafrecht

Der trifftigste Grund, sich mit dem Inhalt dieser Seiten zu beschäftigen, ist die Suche nach dem geeignetsten Strafverteidiger für die Übernahme einer Verteidigung in einem Verfahren wegen des Verdachtes der Verbreitung, des Erwerbs und des Besitzes kinder- oder auch jugendpornografischer Schriften.
Beschuldigte von Sexualdelikten verspüren oft einerseits ein starkes Schamgefühl ob der ihnen vorgeworfen Taten anderseits das Bedürfniss eines Beistandes gegen die staatliche legimierte Eingriffe in ihre Persönlichkeitsrechte, daher ist neben der fachlichen Kompetenz ihres Verteidigers für sie auch dessen Person und Selbstverständnis von Interesse.

Wieso wird ein Anwalt Strafverteidiger?

Aus dem Interesse heraus, die eigene Lebenszeit nicht mit Unwichtigem und Nebensächlichem zu erschlagen. Das Strafrecht ist die für den Einzelnen bedeutsamste Materie, die das Recht zu bieten hat. Es ist gleichzeitig die Materie, die jeden von uns alltäglich mehrfach betrifft. Das Kartellrecht mag für Eingeweihte auch bedeutsam sein, es betrifft aber nur die allerwenigsten von uns, weil die wenigsten Vorstandsmiglieder eines börsennotierten Unternehmens sind. Das Mietrecht betrifft mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung, ist aber alles andere als bedeutend im Sinne von schicksalweisend.
Das Strafrecht entscheidet in den weitaus meisten Fällen, in denen es zur Anwendung durch Staatsanwaltschaften und Gerichte kommt, über das Schicksal von Menschen, da es mit der Verhängung einer nicht zur Bewährung ausgesetzten Freiheitsstrafe den gravierendsten Eingriff des Staates in unser Leben hoheitlich legitimiert.
Es muss nicht einmal die unbewährte Freiheitsstrafe sein: Ein Beamter, der zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr oder mehr verurteilt wird - und sei es auch "auf Bewährung" - verliert mit der Rechtskraft des Urteils seine Beamtenstellung und damit von heute auf morgen seine Bezüge inklusive seiner Pensionsansprüche. Ähnlich ergeht es Ärzten, Rechtsanwälten und sonstigen Angehörigen angeblich besonders honoriger Berufsgruppen, deren Lizenzen durch Kammern vergeben werden.
Die Verurteilung zu einer Geldstrafe führt bei vielen Arbeitnehmern, die ihrem Arbeitgeber ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen müssen, zu einer verweigerten Vertragsverlängerung, einer Versetzung oder gar einer Kündigung, wenn dort eine Verurteilung - erst recht wegen Besitzes kinderpornografischer Schriften oder ähnlichem - eingetragen ist. Andere nicht verbeamtete Beschäftigte unterliegen der Aufsicht von Sicherheitsbehörden - man denke an die Luftfahrtsicherheitsbehörde, die annäherend jeden Flughafenmitarbeiter strafrechtlich überwacht -, die ohne anwaltliche Gegenwehr dazu neigen,  die nötigen Zuverlässigkeitsüberprüfungen negativ zu bescheiden, wenn nur ein Ermittlungsverfahren anhängig und noch keine Verurteilung erfolgt ist.
Selbst bei einer Einstellung des Verfahrens oder einem Freispruch vom Tatvorwurf reicht die öffentliche Verhandlung eines Sexualdeliktes, wozu auch die §§ 184b und c stGB gehören, aus, den ehemals Angeklagten sozial zu vernichten, so dass er aus der südhessischen Kleinstadt an die Ostsee, aus dem bayerischen Alpendorf an die belgische Grenze oder dem Thüringer Wald in die Eifel auswandern muss, um überhaupt noch einmal gesellschaftlich Fuß fassen zu können. 
Und aus diesen Gründen ist das Strafrecht das herausfordernste Rechtsgebiet überhaupt: Es beeinflusst das Leben der Betroffenen wie kein anderes Recht, es kann das Leben gar zerstören.

Wieso gerade Sexualstrafrecht?

Dem Sexualstrafrecht wohnt die Eigenheit inne, dass mit dem bloßen Verfahren - genauer gesagt: dem staatsanwaltliche Ermittlungsverfahren - schon eine Stigmatisierung durch die - typisch deutschen - allgegenwärtigen Gutmenschen  einhergeht. Und wer bei den Gutmenschen nicht mitläuft wie ein Lemming, der macht sich schon deshalb bei den anderen Gutmenschen verdächtig, einer der Bösen zu sein, Die Gutmenschen ziehen ihre eigenen Grenzen zwischen gut und böse:  Wer betrunken vom Kegelabend per Auto nach Hause fährt und erwischt wird, hat Pech gehabt, hoffentlich verliert er neben dem Führerschein nicht auch noch den guten Job als Kurierfahrer für eilige Arzneimittel. So denkt der Gutmensch und wählt weiter die christlich soziale Union, die Otto Wiesheu, der rotzbesoffen - 1.99 Promille - mit seiner Mercedes S-Klasse einen polnischen KZ-Überlebenden in seinem Fiat tot gefahren hat und rechtskräftig verurteilt wurde, erst zum Verkehrs- und dann zum Wirtschaftsminister des Freistaates Bayern befördert hat. Der Getötete hat Hitler aus Braunau überlebt, Wiesheu aus dem 120 km entfernten Zolling nicht, keinen CSU-Moralisten stört´s. Zudem sind nur trinkfeste Personen für solche Ministerämter in München geeignet. Aber Sebastian Edathy, der Bilder halb- oder ganz nackter Jungen, die als solche nicht strafbar sind, besessen haben soll, muss stehenden Fußes von allen Ämter zurücktreten. Nackte Jungen, die fotografiert worden sind. Pfui Teufel! 
Hätte er sie, statt sie lebendig anzuschauen, im Vollrausch tot gefahren und sich in tiefer Reue entschuldigt - wäre doch alles kein Problem gewesen. Der Gutmensch und Moralist denkt:, Hätte mir selbst auch passieren können - shit happens, wie der Brite flucht.
Mit viel weniger Nachsicht der Gutmenschen muss schon derjenige rechnen, der Kinder bekifft statt rotzbesoffen totfährt. Bekifft ist der anständige Bürger niemals, komatös besoffen zu mehreren Anlässen im Jahr. Aber das ist wieder ein anderes Thema. 

Zu diesem Problem der Stigmatisierung durch Moralisten aufgrund der Einleitung eines bloßen Ermittlungsverfahrens wegen des Verdachtes eines Sexualdeliktes gesellen sich zwei weitere Umstände, die den Beschuldigten im Sexualstrafverfahren besonders zusetzen:

 

1. Der Anfangsverdacht eines Sexualdelikts lässt sich so herrlich einfach herbeireden 

Es bedarf nur einer Zeugin, gegen die erst weniger als drei Ermittlungsverfahren wegen des Verdachtes der falschen Verdächtigung geführt wurden, die behauptet, der Herr X habe sie an Busen oder Gesäß berührt, habe sie ohne ihr ausdrückliches Einverständnis geküsst oder gar noch Schlimmeres getan - und sie hätte es nicht gewollt oder könne sich zumindest nicht mehr erinnern, es gewollt zu haben. Und schon ist Herr X Beschuldigter einer sexuellen Nötigung, einer Vergewaltigung, eines sexuellen Missbrauchs Schutzzbefohlener usw. usf. mit allen Konsequenzen, die von der Strafprozessordnung im Repertoire gehalten werden.

 

2. Auch gesetzeskonformes Verhalten schützt im Bereich der Sexualdelikte nicht vor Strafverfolgung

Der vermutete (!) Besitz von nicht verbotenen Nacktfotos junger Personen begründet nach der gängigen Rechtsprechung  unserer Bundesrepublik einen für eine Hausdurchsuchung hinreichenden Verdacht hinsichtlich des Besitzes strafbarer kinderpornografischer Bilder.
Dieses Phänomen ist in keinem anderen Strafrechtsgebiet anzutreffen.
Einen rechtlich ausreichenden Verdacht, Ihre Wohnung zu durchsuchen, wenn Sie mit Ihrem Opel Rekord, Baujahr 1972, und frisch gedrehten Rasterlocken unter den Klängen Bob Marleys Waiting in Vain zwölf Kästen Spaten Münchner Hell kaufen, wird nicht einmal ein oberbayerischer Ermittlungsrichter sehen, selbst wenn die Staatsanwaltschaft im Antrag auf Erlass eines Durchsuchungsbeschlusses ihre mehrfach bestätigte kriminalistische Erfahrung beteuert, auf solchen Feierlichkeiten, zu denen hier augenscheinlich Vorbereitungen getroffen würden, werde mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Marihuana konsumiert.
Nur im Bezug auf Sexualdelikte reicht auch ein gesetzestreues Verhalten aus, eingreifenden Strafverfolgungsmaßnahmen wie einer Wohnungsdurchsuchung anheim zu fallen. Damit werden die klaren Grenzen zwischen dem Erlaubten und dem Verbotenen, die das Strafrecht als solches legitimieren, zur Unkenntlichkeit verwischt. Die Garantie unserer Verfassung in Art. 103 Abs. GG,

 

"Eine Tat kann nur bestraft werden, wenn die Strafbarkeit gesetzlich bestimmt war, bevor die Tat begangen wurde",

 

ist dann gegenstands- und wertlos, wenn jeder Bürger auch dann strafrechtlichen Zwangsmaßnahmen wie Durchsuchung, erkennungsdienstlicher Behandlung zum Zwecke der Strafverfolgung unterworfen werden kann, der die Grenze zum Strafbaren nicht überschritten hat. Der ehemalige Vorsitzende des zweiten Strafsenats des Bundesgerichtshofs, Thomas Fischer, hat es sehr treffend ausgedrückt:

 

"Vielleicht sollten diejenigen, die ihn [gemeint: Sebastian Edaty] gar nicht schnell genug in die Hölle schicken wollen, vorerst einmal die eigenen Wichsvorlagen zur Begutachtung an die Presse übersenden. Vielleicht sollten Staatsanwaltschaften weniger aufgeregt sein und sich ihrer Pflichten entsinnen. Vielleicht sollten Parteipolitiker ihren durch nichts gerechtfertigten herrschaftlichen Zugriff auf den Staat mindern." (Ausgabe der ZEIT 10/2014)  

 

Eines meiner vielen aufschlussreichen Erlebnisse aus inzwischen 16 Jahren Strafverteidigung enthalte ich Ihnen nicht vor: Vor Jahren wandte sich aus dem schönen Ruhrgebiete eine nicht mehr ganz junge Dame an mich, mit der dringenden Bitte, die Verteidigung Ihres Mannes zu übernehmen. Sie berichtete mir ausführlich über ihre Tätigkeit als Lehrerin, ihren Einsatz gegen sexualisierte Gewalt, ihre Kampagnen gegen geschlechtsspezifische Unterdrückung.  Sie war, wie sie mir berichtete, der felsenfesten Überzeugung, es sei doch nicht möglich, dass eine Frau oder ein Mädchen jemanden eines sexuellen Übergriffs zu Unrecht beschuldige, Warum sollte jemand so etwas tun, zumal, wenn Rachemotive nicht ersichtlich seien? Nun wurde Ihr eigener Ehemann als Fahrer eines Kleinbusses,  der Behinderte zur Schule fährt, von einem Mädchen beschuldigt,  er habe beim Anschnallen ihres Oberkörpers im Rollstuhl ihre Brust in sexuell motivierter Weise gestreichelt.

Da schäumt der Gutmensch: So eine Sauerei, die wehrlose Jugendliche, die ihrer Behinderung wegen nicht einmal richtig sprechen kann! So dachte auch die tüchtige Staatsanwältin und klagte wegen sexuellen Missbrauchs an. Auf mein Drängen unter Darlegung rechtsstaatlicher Verfahrensgrundsätze wurde erstmalig genau nachgeforscht und eine Sachverständige eingeschaltet. Das Schöffengericht Hagen lehnte die Eröffnung des Verfahrens ab, da die Aussage, berührt worden zu sein, nicht von dem Mädchen selbst, sondern von deren Mutter stammte, die das in die Angaben ihrer Tochter hineingelesen hatte. Von der eifrigen Staatsanwältin, die ja gegen den Nichteröffnungsbeschluss des Strafrichters Beschwerde hätte einlegen können, habe ich nie mehr etwas gehört. Wohl aber von der Ehegattin des ehemals Beschuldigten: Sie setzt sich heute für zu Unrecht beschuldigte Männer ein.
Merke: Gutmensch ist der Gutmensch nur solange, wie er selbst nicht betroffen ist. 

Aus diesen Gründen verteidige ich - ausschließlich - im Sexualstrafrecht.

Dem interessierten Leser, der auf der Suche nach einem geeigneten Anwalt für die Übernahme seiner Verteidigung in einem Strafverfahren ist, in dem ihm eine Sexualstraftat wie beispielsweise der Besitz kinder - oder jugendpornografischer Schriften zur Last gelegt wird, sei die Lektüre meines Artikels Auffinden des besten Verteidgers empfohlen.

Vita

1997

 

 

2002

 

2003

2004

2005

2007

Studium der Rechtswissenschaften - landläufig Jura genannt - an den Universitäten Bayreuth, Heidelberg und Saarbrücken, Studienschwerpunkt Strafrecht u. Strafprozessrecht, Jugendstrafrecht, Strafvollzugsrecht, Kriminologie; Seminararbeit "Die Fahrlässigkeitsbestimmung im Arztstrafrecht"; Auslandssemester in Stockholm und Wien

Referendariat bei der Staatsanwaltschaft Aschaffenburg im Dezernat für Waffen- und Sprengstoffdelikte, beim Landgericht Aschaffenburg, in Strafverteidigerkanzleien in Frankfurt am Main, Düsseldorf und Saarbrücken.
Fernstudium "Fachanwalt für Strafrecht" an der Fernuniversität Hagen

Ernennung zum Rechtsanwalt mit 27 Jahren

Gründung der eigenen Strafverteidigerkanzlei in Frankfurt am Main

Spezialisierung auf Verteidigungen im Sexualstrafrecht